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Vortrag "Essen wir bald anders?"

Am 22. Juni, dem heißesten Juni-Tag in Bonn seit Aufzeichnung der Wetterdaten, fand die sechste und letzte Fakultätsveranstaltung im Rahmen des UGB-Jubiläums statt: Ein Vortrag des Dekans der Landwirtschaftlichen Fakultät, Professor Dr. Peter Stehle, zum Thema: „Zukunftsträchtige Produktions- und Ernährungskonzepte: Essen wir bald anders?“.

Trotz der gegebenen Wetterverhältnisse füllte sich der Hörsaal XI im Institut für Tierwissenschaften  mit rund 150 Gästen fast bis auf den letzten Platz.

Nach der Präsentation des UGB-Jubiläumspodcasts begrüßte Professorin Dr. Ute Nöthlings, Vorstandsmitglied der UGB und Professorin für Ernährungsepidemiologie, die Anwesenden  und dabei hieß sie einen Gast besonders willkommen:

Dr. Andreas Rohde von der DHPG, Förderer der UGB. In einem kurzen Interview sprach er über das Engagement der DHPG und sein persönliches Engagement im Verwaltungsrat der UGB.

Nach dem Interview übergab Professorin Ute Nöthlings Professor Peter Stehle das Wort.

Seinen Vortrag begann er mit den Worten:

„24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr bekommen wir an jeder Ecke etwas zu Essen“.

Mit passenden Bildern und einer Statistik verdeutlichte er den Anwesenden die Konsequenz: „Übergewichtsepidemie“. Dabei betonte er, dass Übergewicht mittlerweile ein weltweites Problem darstelle und Folge der zu hohen Aufnahme bedenklicher Nährstoffe sei, die nicht nur zu Übergewicht, sondern auch zu Krankheiten führe.

Auf der anderen Seite wies er auf die wachsende Weltbevölkerung hin. Um diese auch in Zukunft (qualitativ gut) ernähren zu können, seien neue, nachhaltige Produktions- und Ernährungskonzepte gefragt. Professor Stehle ging in diesem Zusammenhang auf drei mögliche Konzepte ein: das „Genome editing“, die Nutzpflanzenzüchtung auf „naturidentischem“ Weg, neue Eiweißquellen wie Algen, Insekten und Lupinen sowie die personalisierte Ernährung.

Das „genome editing“, das in den USA bereits zugelassen ist, kann durch die gezielte und kontrollierte Modifikation der DNA beispielsweise für eine höhere Stressresistenz der Pflanze oder einen niedrigeren Fettanteil im Lebensmittel sorgen. In 3-5 Jahren, so Stehle, seien solche „naturidentischen“ Produkte auch in Deutschland erhältlich.

Die genannten Eiweißquellen stellen laut Professor Stehle eine sehr gute Alternative zu anderen Eiweißen dar. Ob sich Insekten, die in anderen Ländern fest zum Lebensmittelrepertoire gehören, auch in Deutschland als neues Lebensmittel etablieren werden, bleibe jedoch abzuwarten.

Den Ansatz der personalisierten Ernährung sah Stehle etwas kritischer. Hier konnte bis dato nicht bewiesen werden, dass Proband_innen durch diese Methode mehr Gewicht verlieren, als durch eine nicht-personalisierte Ernährungsberatung.

Abschließend hielt Professor Stehle fest, dass es in den nächsten Jahren sowohl neue Methoden in der Landwirtschaft als auch neue Lebensmittel geben werde. Die Qualitätskriterien für Lebensmittel würden sich dabei weiter anpassen und die Ernährungskonzepte weiter individualisieren.

Nach dem Vortrag und einer regen Diskussion fanden sich die Gäste im Foyer und auf der Terrasse ein und diskutierten bei einem kühlen Getränk weiter über die Frage: „Essen wir bald anders?“.

Die Bilder des Abends finden Sie hier

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