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Preisträger 2012

Zum ersten Mal werden neben der Verleihung des Initiativpreises an eine herausragende studentische Initiative, zwei weitere Initiativen mit einer Fördersumme von je 1.000 € unterstützt, um ihre Projekte nachhaltig fortzuführen.

Erinnerungsarbeit auf dem jüdischen Friedhof

 

 Preisübergabe Frau Telöken

Übergabe des Initiativpreises (von links nach rechts: Professor Dr. Jürgen Fohrmann, Rebecca Telöken, Michael Kranz)

 

Es gab keinen Zweifel, es musste etwas getan werden. Nach einer Exkursion auf den jüdischen Friedhof an der Römerstraße war für die Studierenden der katholischen Fakultät klar, dass der Friedhof dringend Unterstützung braucht. Es mussten ja nicht sofort aufwendige und kostspielige Restaurierungsarbeiten an den brüchigen Grabsteinen selbst verrichtet werden. Es musste vor allem etwas gegen das wuchernde Unkraut, Moos und den hartnäckigen Efeu, der die Steine immer weiter angreift, getan werden. Für diese Arbeit braucht man neben vielen Helfern viel Geduld. Außerdem konnten auch die abgesackten und teilweise verschwundenen Grabbegrenzungen erneuert werden, ganz einfach mit Geröll aus dem Rhein.

Nach einer kleinen Werbeaktion fanden sich 20 Studierende der katholischen, Gruppenbild Preisverleihungevangelischen und anderer Fakultäten, die bereit waren mit anzupacken. In kleinen Grüppchen arbeitete man sich von Reihe zu Reihe und bemerkte bald, dass ein einziger Tag für die immerhin 1060 Gräber nicht reichen würde. Trotzdem waren bald die ersten Erfolge ersichtlich. Kaum noch zu lesende Namen wurden wieder sichtbar, dschungelartige Wildwüchse verschwanden und vom Rhein hochgetragene Steine markieren wieder die Grabbegrenzungen und verhindern so, dass Besucher unwissentlich über die Gräber laufen. Allerdings mussten auch viele Gräber aus Sicherheitsgründen ausgelassen werden. Umgefallene oder nicht mehr standsichere Grabsteine sind keine Seltenheit auf diesem Friedhof, der als letzter in Bonn noch aktiv ist und allein von der jüdischen Gemeinde betrieben wird. Das Geld ist knapp, da es an Nachwuchs fehlt und viele der dort Bestatteten keine Angehörigen mehr haben die die Gräber pflegen könnten, da sie teilweise ausgewandert sind oder es keine Nachfahren mehr gibt.

Neben der körperlichen Arbeit war es aber auch für alle Teilnehmer ein lehrreicher Tag. Man lernte viel über die jüdische Kultur, über die Schicksale der Menschen, die dort begraben liegen und damit über die jüdische Geschichte Bonns, die enger mit der Bonner Universität verknüpft ist als man sich im ersten Moment vorstellen mag.

So liegt auf dem Friedhof zum Beispiel Prof. Dr. Charles Horowitz begraben. Er war Professor an der evangelischen Fakultät und lehrte Rabbinistik. Zudem übersetzte er den Talmud ins Deutsche. Aber auch Prof. Alfred Philippson ist dort zu finden. Er war Privatdozent für Geografie an der Uni Bonn und bekam 1904 an der Universität Bern seinen Professorentitel verliehen. In der NS-Zeit war er im Lager Theresienstadt inhaftiert und kehrte nach anschließender Emigration erst im Alter von 81 Jahren nach Bonn zurück. Er hielt dann aber noch Vorlesungen und arbeitet an einer Neuauflage seiner Bücher. Außerdem ist auch der Mitbegründer des Friedhofs dort begraben. Es ist Rabbiner Dr. Ludwig Philippson, der zusammen mit Robert Goldschmidt (ebenfalls dort begraben) das Friedhofgelände erwarb und auch für den Bau der Synagoge am Rhein (am Standort des heutigen Hilton Hotels) verantwortlich war.

Es gibt also viele interessante Menschen und ihre Lebensgeschichte zu entdecken. Auch deswegen ist es ein lohnenswertes Engagement, diesen Friedhof mit all seinen Geschichten auch für die späteren Generationen zu erhalten und die Erinnerung zu bewahren.

 

 ... zum Podcast (Min. 6:19)

 

1. Fördersumme

 

EINE ART CLUB

 

EINE ART CLUB

 

Eine Plattform schaffen, auf der man sich mit Gleichgesinnten über Kunst, Musik und Kultur austauschen kann. Die Gelegenheit bietet, mal einen Blick hinter die Kulissen Bonner Kultureinrichtungen zu werfen oder das Gespräch mit Experten und ‚Insidern‘ aufzunehmen. Das und noch viel mehr haben sich die jungen Mitstreiter von EINE ART CLUB vorgenommen, um das kulturelle Leben in Bonn ein Bisschen bunter zu machen.

Vor zwei Jahren hatten sich in der philosophischen Fakultät Studierende zusammengefunden, die der Wunsch vereinte, ein Kulturprogramm für Gleichaltrige zu entwickeln. Zwar gibt es in der Stadt viele Kultureinrichtungen, doch sprechen diese größtenteils eine ältere oder deutlich jüngere Generation an. Bei Führungen, Vorträgen oder Diskussionen fühlen sich Studenten schnell als ‚Exoten’ und wenig angesprochen, da andere Themen, Fragen, Konventionen und eine andere Sprache den Abend dominieren. Die Romanistin Sabina Libertini und der Kunstgeschichtsstudent Michael Stockhausen arbeiteten nebenberuflich im Beethoven- sowie August-Macke-Haus und trugen die Idee zu einem jungen, studentisch organisierten Kulturprogramm in die Bonner Museen. Über den Kontakt zu Meike Lotz und Jasmin Görlich, Volontärinnen im LVR-LandesMuseum, konnten das LVR-LandesMuseum und Max Ernst Museum Brühl des LVR ebenfalls davon überzeugt werden, sich den Ideen der Studenten zu öffnen.

Seitdem hat sich viel getan. Nach einer einjährigen intensiven Planungs- und Vorbereitungsphase konnte im Wintersemester 2011/12 das Programm von EINE ART CLUB zum ersten Mal aufgenommen werden und geht in diesem Semester nun schon in die dritte Runde.

Mit seinen bis zu zehn Veranstaltungen pro Semester zu unterschiedlichen Themen an verschiedenen Orten richtet sich EINE ART CLUB vorrangig an junge Erwachsene zwischen 18 und 35 Jahren und möchte diese nicht nur zum Kommen, sondern immer auch zum Mitdiskutieren und Mitmachen anregen. Die Bandbreite der Veranstaltungen reicht dabei von gemeinsamen Konzertbesuchen, über Kuratorenführungen und -gespräche in aktuellen Ausstellungen bis hin zu Erkundungstouren durch die Universität mit ihren Sammlungen, Museen und architektonischen Besonderheiten. Immer wieder werden besondere Einblicke in kulturelle Institutionen geboten, so z.B. bei einer exklusiven Führung durch die Restaurierungswerkstatt des LVR-LandesMuseums oder durch die Abgusssammlung des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn.

Bei EINE ART CLUB ist jeder willkommen – ob als Teilnehmer oder als Mitmacher. Beim regelmäßig stattfindenden Jour Fixe können Ideen, Vorschläge oder auch Kritik in offener Runde diskutiert werden. Auf diese Weise entsteht in Bonn ein lebendiges und abwechslungsreiches Kulturprogramm von jungen Menschen für junge Menschen.

Weitere Infos zu EINE ART CLUB und dem aktuellen Semesterprogramm unter:  www.eineartclub.de

 

 

Übergabe der Fördersumme

 Übergabe der beiden Fördersummen (von links nach rechts: Michael Kranz, Martin Neubacher (Werstatt Baukultur), Michael Stockhausen (EINE ART CLUB), Prof. Dr. Jürgen Fohrmann)

 

 

2. Fördersumme

 

Werkstatt Baukultur

 

Werkstatt Baukultur

hinten von links nach rechts: Malte Guttek, Martin Neubacher, Rebekka Magis, Martin Bredenbeck, Constanze Moneke, Max Meier, Prof. Dr. Hiltrud Kier; vorn von links nach rechts: Daniela Bennewitz, Helena Bauer, Sabine Halver, Alexander Kleinschrodt

 

Aktivitäten der Werkstatt Baukultur

 1) Fotoausstellung „Bauen für die Bundeshauptstadt“

Resultat einer Lehrveranstaltung, die von den Gründungsmitgliedern der Werkstatt Baukultur (Martin Bredenbeck, Constanze Moneke, Martin Neubacher) geleitet wurde; als Beitrag der Abteilung Kunstgeschichte zu den Feierlichkeiten anlässlich des Tags der Deutschen Einheit und dem NRW-Tag hierzu auch Publikation des Buchs „Bauen für die Bundeshauptstad“ mit Beiträgen der TeilnehmerInnen des Seminars

 

2) Führungen

 

Organisation regelmäßiger Führungen zum jüngeren baukulturellen Erbe in Bonn; jeweils samstags um 13 Uhr; darüber hinaus Führungen zu weiteren Bauten (u. a. Juridicum; Stadtthater)

 

1. Führungsturnus von Februar bis April 2012: Rund um den Kaiserplatz; Stätten des Karnevals; Die Kirche St. Helena; Bauten des Deutschen Herolds; Die Christuskirche in Plittersdorf; Die Rheinfront; Sakrale Kleinode; Das Frankenbad; Die Beethovenhalle; Die Heilig-Kreuz-Kirche in Limperich

 

2. Führungsturnus von April bis Juni 2012: Die Michaelskapelle in Bad Godesberg; Der Bertha-von-Suttner-Platz; Die Beethovenhalle; Die Rheinfront, Teil 2; Das Bonner Residenzschloss; Der Münsterplatz; Die Universitäts- und Landesbibliothek Bonn; Die Reutersiedlung; Die Auferstehungskirche (Venusberg); Die Stadthalle Bad Godesberg; Der Bonner Nordfriedhof in Auerberg

3. Führungsturnus von September bis November 2012: Bauen für die Bundeshauptstadt, Teil 1; Die Kirche St. Paulus in Beuel;  Das Stadthaus; Bauen für die Bundeshauptstadt, Teil 2;  Die Beethovenhalle; Der Brüser Berg; Bauen für die Bundeshauptstadt, Teil 3; Die Lukaskirche in Bonn-Castell

 

3) Werkstatt @

Werkstatt @ ist eine Diskussionsreihe, die sich kontrovers diskutierten Bonner Bauten widmet und diesem ein Forum bietet; einschlägige Experten werden hierbei jeweils zu einem Podium geladen

bisherige Veranstaltungen:

WERKSTATT @ Stadthaus; 29. Juni 2011

WERKSTATT @ Juridicum; 2. August 2011

WERKSTATT @ Bonner Loch; 6. September 2011

WERKSTATT @ Viktoriakarree; 3. April 2012

 

4) Vortrags- und Tagungsbeteiligungen

Vorträge u. a. im Rahmen des Dies Academicus und dem vom BDA Bonn/Rhein-Sieg ausgerichteten Aktionstag „Denkmäler in Bonn/Rhein-Sieg – gestern und heute“; Tagungsbeteiligungen u. a. „"Das missachtete Architekturerbe", Leipzig, 30. März 2012; „Klötze und Plätze“, Reutlingen, 4. - 6. Juni 2012

 

5) Aktionen

Putzen und Benutzen @ Bonner Loch; Aktionsstunde als „temporäre Rückeroberung“ des öffentlichen Raums

 

6) Mitorganisation des Tag des offenen Denkmals in Bonn

Im Jahr 2012 wurde der Tag des offenen Denkmals in Bonn erstmals in einer Kooperation zwischen der Stadt Bonn, der Arbeitsgemeinschaft Bonner Geschichtsvereine und der studentischen "Werkstatt Baukultur Bonn" organisiert.

 

7) aktuell: Symposium „Emil Steffann und der Kirchenbau des 20. Jahrhunderts“

  • Organisation eines Studientags zu Emil Steffann (1899-1968), der zu den bedeutenden deutschen Architekten des 20. Jahrhunderts zählt und vor allem für seine katholischen Sakralbauten bekannt ist. Am Beispiel seiner nach 1945 gebauten Kirchen lassen sich die Tendenzen im Kirchenbau der zweiten Jahrhunderthälfte beispielhaft erörtern. Mit Blick auf die Gegenwart lässt sich an Steffanns Werk auch der Umgang mit sogenannten nicht mehr benötigten Kirchen nacherzählen, wobei die Bandbreite von sehr erfreulicher kulturell-geistlicher Nachnutzung bis hin zu ersatzlosem Abbruch reicht.

 

  • Der Studientag ist öffentlich und richtet sich an alle, die an diesem Gebiet interessiert sind, insbesondere an Studierende aus den Fachbereichen Kunstgeschichte, Geschichte und Theologie. Fachleute einschlägiger Institutionen sowie Mitglieder der Werkstatt Baukultur Bonn stellen den Kirchenbau der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit Überblicksvorträgen und anhand beispielhafter Bauten von Emil Steffann vor.

 

 

 Werstatt Baukultur Preisübergabe Gruppe

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